Erste klinische Erfahrungen mit dem neuen Universal-Komposit OMNICHROMA

Zur IDS 2019 brachte der japanische Hersteller TOKUYAMA DENTAL ein „idiochromatisches“ Kunststoff-Füllungsmaterial für direkte adhäsive Restaurationen auf den Markt.

Mit den innovativ ausgelegten Restaurationswerkstoffen OMNICHROMA und OMNICHROMA BLOCKER – also mit genau nur zwei (!) Komposit-Materialien – wird es dem Praktiker ermöglicht, sämtliche Front- und Seitenzahn-Füllungen, direkte Komposit-Veneers, Diastema-Verkleinerungen sowie Reparaturen von Kunststoff- und Keramik-Defekten – ohne vorausgehende komplizierte Farbbestimmungen oder nachfolgend auffällige Farbdiskrepanzen – farblich stimmig zu bewerkstelligen.

Klingt unglaublich? Stimmt aber, soweit es die eigenen klinischen Erfahrungen des hier schreibenden Autors ergeben haben. Sehen Sie selbst!

Keine Farbbestimmung mehr notwendig!

Mit den beiden speziell konzeptionierten Kompositen OMNICHROMA (für alle normal lichtdurchlässigen Restaurationen) und OMNICHROMA BLOCKER (als unterbauendes Ergänzungsmaterial, wenn eine deutlich geringere Transparenz der Restauration gefordert ist) hat TOKUYAMA DENTAL eine völlig neue Restaurationswerkstoff-Gruppe für direkte adhäsive Versorgungsleistungen im Rahmen ästhetischer Zahnerhaltungsmaßnahmen begründet:

„Idiochromatische“ Füllungsmaterialien.

Dies sind [nach der durch den hier schreibenden Autor vorgeschlagener Definition] „Restaurationswerkstoffe, welche ihre passende farb- und lichtoptische Wirkung (nach Lichthärtung) «auf eigene Weise», respektive «aus sich selbst heraus» (ist gleich «idio-») im zu rekonstruierenden Defektbereich erlangen.“ Diese besonderen, tatsächlich gänzlich neuen dentalen Werkstoffe für die ästhetische Versorgung von Defekten erfordern im Rahmen ihrer direkt enoral vorgenommen Verwendung daher keinerlei vorausgehende Farbauswahl. Das Farbanpassungsvermögen, im anglo-amerikanischen „Color Adjustment Potential“ genannt, dieser Materialien macht Überlegungen hinsichtlich der am besten für die Defektversorgung geeigneten Zahnfarbe daher gänzlich hinfällig. Ebenso obsolet werden durch Materialien dieser Werkstoffgruppe Bedenken bezüglich der zuverlässigen Farbtreue des Restaurationsmaterials vor und nach Lichthärtung.

Zusammenfassend lässt sich somit feststellen, dass die klinisch äußerst relevanten Fragen bei der enoral durchgeführten direkten adhäsiven zahnfarbenen Defekt-Versorgung mittels der hier vorgestellten OMNICHROMA-Komposite nach „Farb-Kompatibilität“, „Farb-Treue“ sowie „Farb-Interaktionen“ sich nicht mehr stellen.

Die innovativ entwickelten OMNICHROMA-Komposite basieren auf den schon seit langem bewährten und laufend weiter optimierten Kunststoff-Füllungsmaterialien von TOKUYAMA DENTAL. So sind laut Hersteller alle wichtigen werkstoffkundlichen Eigenschaften ebenso qualitativ hochwertig, wie bisher von den ESTELITE-Kompositen gewohnt. Dem kann aus Sicht des hier berichtenden Autors für den Zeitraum der bisherigen Verwendung von OMNICHROMA und OMNICHROMA BLOCKER nicht widersprochen werden: Handhabung, Verarbeitungsweise, anwenderfreundliche Lichthärtung, Ausarbeitung (Konturieren/Finieren), Politur und sonstige wichtige, klinisch ersichtliche Charakteristika unterscheiden sich bei diesen neuen Kompositen nicht von den vergleichbaren ESTELITE-Produkten des japanischen Herstellers und Entwicklers von zahnärztlichen Verbrauchsmaterialien.

„Smart Chromatic Technology“ macht’s möglich

Diese praktisch-klinisch absolut verblüffenden Ästhetik-Eigenschaften der beiden „idiochromatischen“ OMNICHROMA-Komposite fußen auf weiteren von TOKUYAMA DENTAL exklusiv kreierten werkstoffkundlichen Charakteristika. Sehr vereinfacht lassen sich diese so beschreiben: Die anorganischen Füllstoff-Partikel besitzen eine nahezu gleichmäßig große kugelige Gestalt von jeweils ca. 260 nm Durchmesser. Diese sphärischen Körper sind bei einem anteiligen Füllstoffgehalt von 79 Gewichtsprozent so dicht zu einander in Kontakt, dass bei dieser speziellen Partikel-Größe, -Form und -Verteilung in das Komposit-Material einfallendes (augenscheinlich nur weißes, aber dennoch „Spektralfarben enthaltendes“) Licht dem Betrachter im Rahmen eines physikalisch-lichtoptischen Effekts – das so genannte „strukturelle Farb-Phänomen“ – ausschließlich im rot-gelben Wellenlängenbereich wieder entgegengebracht wird. Dieser ausgewählte Farbbereich des sichtbaren Lichtes wird durch die bei diesem Effekt auftretende „additive Farbmischung“ hervorgerufen und entspricht exakt dem Farb- bzw. Lichtwellenbereich natürlicher Zähne. Dadurch dass das „strukturelle Farb-Phänomen“ eben keine „subtraktive Farbmischung“ des ausfallende Lichtes bewirkt, kann das Restaurationsmaterial die vorherrschende Zahnfarbe der es umgebenden natürlichen oder künstlichen Zahnsubstanz in einer Art „Super-Chamäleon-Effekt“ selbstständig annehmen.

i Abbildung 2
i Abbildung 5

Fallbeispiele

In diesem Abschnitt soll exemplarisch anhand von klinischen Abbildungen gezeigt werden, wie der Einsatz von OMNICHROMA und OMNICHROMA BLOCKER in der Praxis des Autors sich darstellte.
Die Verwendung dieser beiden Komposite bedeutet eine deutliche Umstellung gegenüber allen üblicherweise gewohnten Vorgehensweisen bei der direkten ästhetischen adhäsiven Füllungsversorgung. Denn es erfolgt keine wenigstens arbiträre oder sicherheitshalber besser genau skalierte vorausgehende Bestimmung der Zahnfarbe; darüber hinaus ist sowohl OMNICHROMA, wie auch OMNICHROMA BLOCKER vor der Lichthärtung grau-gelblich und absolut opaque (Abb. 2 und Abb. 5).

Diese Tatsaschen können daher auf das erstmalige Einsetzen von OMNICHROMA an einem „echten Patienten“ einen Einfluss auf die Gefühle des Anwenders haben wie diese beispielsweise vor der ersten Fahrt mit einer Achterbahn sein mögen [bzw. offen gestanden beim hier schreibenden Autor seinerzeit so waren]: Du weißt nicht genau, was gleich auf Dich zukommt. Und etwas mulmig ist Dir schon. – Aber nach erfolgreich durchstandener erster Fahrt bist Du total positiv überrascht, voll von der ganzen Sache begeistert, möchtest am liebsten sofort wieder starten… und immer wieder diesen Kick erleben… Restaurative Zahnheilkunde kann also durchaus angenehm spektakulär sein.

OMNICHROMA

Die Abbildungen 1 bis 7 geben den Einsatz von OMNICHROMA alleine wieder. An der Abfolge des rein technischen Füllungsvorganges (bei einer direkten adhäsiven Komposit-Restauration) ändert sich, wie bereits oben dargelegt, absolut nichts.

TOKUYAMA DENTAL empfiehlt als Entwickler und Hersteller des Produktes bei einer Schichtstärke von maximal 2 Millimetern pro Komposit-Inkrement eine Lichthärtungszeit von 20 Sekunden, wenn die Halogen-Photopolymerisationslampe mindestens eine Lichtleistung von 600 mW/cm² besitzt. Dieser Vorgabe sollte unbedingt eingehalten werden, da die Opazität von OMNICHROMA doch sehr augenfällig ist.

Was ebenso bei der klinischen Verwendung ins Auge springt, ist, dass OMNICHROMA nach Lichthärtung – je nach struktureller Vorgabe der es umgebenden natürlichen Zahnhartsubstanz – auch verblüffend transparent werden kann. Dies wird im direkten Vergleich der Abbildungen 4, 5 und 6 besonders offensichtlich, die die Versorgung inzisaler Zahnschmelzdefekte zeigen.

OMNICHROMA BLOCKER

Die Abbildungen 8 bis 11 geben die ausschließliche Verwendung des nach Lichthärtung deutlich opaquen OMNICHROMA BLOCKER wieder. In den Abbildungen 8 und 9 gezielt und gewollt. In den Abbildungen 10 und 11 irrtümlich! Da das weniger transparente Komposit aus dieser „idiochromatischen“ Restaurationswerkstoff-Gruppe herstellerseits ausdrücklich nur als die Transluzenz einer Füllung verringerndes Komposit-Material ausgewiesen ist, sollte dies auch Beachtung finden. Also Deckfüllungen niemals mit OMNICHROMA BLOCKER bewerkstelligen. Die Domain dieses Komposit ist die Unter- oder Abdeckungsfüllung. Nach den Erfahrungen des Autor ist OMNICHROMA BLOCKER der Werkstoff der Wahl, wenn postendodontische Abschluss-Füllungen einen farbästhetisch, wie auch biomimetisch lichtechten Eindruck wiedergeben sollen, ohne dass eine komplizierte Bestimmung der Dentin- bzw. Zahnschmelzfarbe vorgenommen werden muss.

OMNICHROMA + OMNICHROMA BLOCKER

Die Abbildungen 12 und 13 veranschaulichen den kombinierten Einsatz vom OMNICHROMA und OMNICHROMA BLOCKER. Dem geneigten Leser sei gestattet, diese direkte adhäsive Aufbau-Füllung, es ließe sich auch etwas bedeutungsvoller direktes Komposit-Veneer sagen, kritisch zu betrachten. Vor einem Urteil sollte jedoch Beachtung finden, dass diese Komposit-Restauration – bei Einhaltung aller Vorgaben einer adhäsiv-technologisch lege artis zu erbringenden direkten Füllung – der zeitlichen Not gehorchend nur ca. 15 Minuten Behandlungszeit in Anspruch nehmen durfte.

Mit einer vorausgehenden detaillierten Farbbestimmung wäre diese zeitliche Spanne für eine farblich und morphologisch befriedigende Wiederherstellung der Zahnkrone nicht einzuhalten gewesen.

Fazit

Die wirklich neuartigen Restaurationsmaterialen OMNICHROMA und OMNICHROMA BLOCKER eröffnen eine weitere Möglichkeit, dem grundsätzlichen Wunsch zahnärztlicher Praktiker, «nur ein einziges, aber dabei universell einsetzbares Füllungskomposit» verwenden zu können«, einen wesentlichen Schritt näher zu kommen.

Inwieweit diese „idiochromatischen“ Werkstoffe für die direkte adhäsive Versorgung von Zahnhartsubstanz-Defekten sich als generell akzeptierte Kunststoff-Füllungsmaterialien durchsetzen können, – wie auch der vom Autor für die licht-optischen Farbanpassungseigenschaften gewählte ‚terminus technicus‘ sich allgemein etablieren wird –, ist sicherlich erst einmal abzuwarten. Nicht zuletzt, bleibt auch abzusehen, was die unabhängige Forschung und Wissenschaft zu diesem tatsächlich revolutionär innovativen Material zu sagen haben wird.

Aus Sicht des hier schreibenden Autors – als klinischer Anwender im Rahmen der routinemäßigen alltäglichen zahnärztlichen Füllungsversorgungen – ist diese zukunftsträchtige Materialkategorie, zu der OMNICHROMA sowie OMNICHROMA BLOCKER als Wegbereiter gehören, allerdings ohne Zweifel sehr vielversprechend.

Autor:

Dr. Markus Th. Firla
Zahnärztlicher Praktiker seit 1994 in eigener Praxis für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Hasbergen / Dental Fachautor und Referent zu zahnmedizinischen Themen im In- und Ausland / Fortbildungsreferent der Zahnärztekammer Niedersachsen
Hauptstr. 55
49205 Hasbergen

Tel.: 05405 69988
dr.firla@homeofdentalcare.de
https://www.homeofdentalcare.de

Literatur
  1. Kraus L. A.: Etymologisches medicinisches Lexikon. Anton v. Haykul, Buchdrucker u. Michael Lechner, Universitäts-Buchhändler. Wien 1831.
  2. Pereira Sanchez N., Powers J. M. et al.: Instrumental Evaluation of Color Adjustment Potential of Resin Composites. The University of Texas, School of Dentistry. Abstract Control ID#: 2957194, 2018.
  3. Pereira Sanchez N., Powers J. M., Paravina R. D.: Visual Evaluation of Color Adjustment Potential of Resin Composites. The University of Texas, School of Dentistry. PP Presentation, 2018.
  4. Tokuyama Dental Corporation: Omnichroma – Technical Report. Tokyo, 2018.